Stadt Hoyerswerda nimmt am „Schichtwechsel“ der Lausitzer Werkstätten teil
Einmal im Jahr bieten die Lausitzer Werkstätten Unternehmen und anderen Arbeitgebern in Hoyerswerda die Möglichkeit für einen spannenden Perspektivwechsel: Beim „Schichtwechsel“ tauschen Menschen mit und ohne Behinderung für einen Tag ihren Job. In diesem Jahr waren das Klinikum Hoyerswerda mit der Lausitz Clean GmbH, die Agentur für Arbeit, die Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe (BMS) sowie die Stadt Hoyerswerda dabei. Bürgermeister Mirko Pink und die gemeindliche Vollzugsbedienstete Silvia Wagner vom Ordnungsamt übergaben für einen Tag ihren Arbeitsplatz an Menschen mit Behinderung und bekamen Einblicke in deren Aufgaben bei den Lausitzer Werkstätten.
Ein verregneter Donnerstagmorgen im Herbst: Ronny Bode sitzt konzentriert am Schreibtisch in den Lausitzer Werkstätten in Seidewinkel. Vor dem Vorsitzenden des Werkstattrates steht sein Laptop. Auf dem Display sind wichtige Dokumente und eine Liste mit Aufgaben für den heutigen Tag zu sehen. Neben Ronny Bode hat Bürgermeister Mirko Pink Platz genommen. Er wird heute bei allen Terminen dabei sein. Möglich macht das der „Schichtwechsel“, eine bundesweite Aktion, bei der Menschen mit und ohne Behinderung für einen Tag in den Job des anderen hineinschnuppern.
Bundesweiter Aktionstag mit Rekordbeteiligung
Das Projekt wurde 2017 von Berliner Werkstätten und der Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen Berlin ins Leben gerufen. Mittlerweile findet der Aktionstag bundesweit statt. Ziel des „Schichtwechsels“ ist es, über das verbindende Thema Arbeit Raum für Begegnungen und für neue Perspektiven zu schaffen, um Vorurteile und Klischees abzubauen. In diesem Jahr gab es eine Rekordbeteiligung: 370 Werkstätten nahmen mit 2.700 Beschäftigten teil. Insgesamt 2.100 Tauschpartner aus Unternehmen machten mit. Die Lausitzer Werkstätten waren zum zweiten Mal dabei und konnten als Tauschpartner das Klinikum Hoyerswerda mit der Lausitz Clean GmbH, die Agentur für Arbeit, die Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe (BMS) und die Stadt gewinnen.
Inklusion als Chance für regionale Arbeitgeber
Die Stadt Hoyerswerda hat sich sofort bereit erklärt, als Tauschpartner bei dem Aktionstag mitzumachen. „Inklusion ist ein wichtiger Baustein für ein besseres Miteinander“, fasst Bürgermeister Mirko Pink zusammen. „Bei der Umsetzung in Kindertagesstätten und Schulen ist die Stadt Hoyerswerda auf einem guten Niveau. Im Arbeitsleben gibt es noch Luft nach oben.“
Umso wichtiger sei der Aktionstag, denn der „Schichtwechsel“ bietet eine gute Gelegenheit für einen Perspektivwechsel und eine Horizonterweiterung. „Oft wird über Menschen mit Behinderung gesprochen, heute habe ich die Möglichkeit direkt mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, freut sich Pink. Auf seiner Agenda: per Fahrrad alle Außenarbeitsplätze kennenlernen.
Menschen mit Behinderung arbeiten etwa im Garten- und Landschaftsbau am Lausitzer Seenland Klinikum, in der Elektro- und Industriemontage in Bergen und im Industriegebiet, in der Fahrradwerkstatt im Stadtzentrum und in der digitalen Datenarchivierung.
„Arbeit schafft eine Tagesstruktur und gibt dem Leben einen zusätzlichen Sinn“, so Mirko Pink, der diplomierter Sozialpädagoge ist. Die Hoffnung des Bürgermeisters ist, mit seinen beim „Schichtwechsel“ gewonnenen Erkenntnissen, weitere Standorte zu finden, an denen Menschen mit Behinderung in Zukunft Arbeit finden. „Die ganze Welt sucht Arbeitskräfte. Ich habe heute viele Menschen kennengelernt, die arbeiten wollen und viel können. Dieses Potential ist eine große Chance für Unternehmen der Region – vor allem für die, die schnell expandieren.“
Perspektivwechsel bringt einen Mehrwert für alle
Über Werkstätten kursieren viele Vorurteile. Dabei sind Menschen mit Behinderung genauso unterschiedlich wie Menschen ohne Behinderung und haben verschiedene Talente. Genau diese sollen beim Aktionstag gezeigt werden. „Der Aktionstag macht uns sichtbarer und gibt uns die Möglichkeit zu zeigen, was die Lausitzer Werkstätten für Potential haben“, sagt Carola Piontek, Leiterin Soziales der Lausitzer Werkstätten.
Jeder Mensch möchte etwas Positives für die Gesellschaft beitragen, ist Carola Piontek überzeugt. „Damit das auch Menschen mit Behinderung gelingt, muss ihnen jemand eine Chance geben,“ so die Sozialpädagogin. „Der persönliche Kontakt zu Unternehmen beim „Schichtwechsel“ ist eine gute Gelegenheit Vorurteile und Ängste abzubauen und die Perspektive zu wechseln.“
Dieser praktisch erlebte Perspektivwechsel macht den Aktionstag besonders wertvoll. Denn im direkten Austausch mit den Tauschpartnern wird schnell klar: Ob durch einen Verkehrsunfall oder einen persönlichen Schicksalsschlag – jeder kann in die Rolle des „Menschen mit Behinderung“ kommen. „Und dann wäre man selbst auch dankbar, wenn es jemanden gibt, der einem die Chance gibt, zu zeigen, welches Potential man hat“, so Carola Piontek.
Professionelle Zusammenarbeit löst Vorurteile in Luft auf
Beim „Schichtwechsel“ sind viele Arbeitgeber und Mitarbeiter überrascht, welche Talente und Fähigkeiten in den Menschen aus den Lausitzer Werkstätten stecken. Der vermeintliche Nachteil „Behinderung“ zeigte sich im Arbeitsalltag als Gewinn.
Silvia Wagner ist vor allen von der positiven Arbeitsatmosphäre, der hohen Motivation und der Hilfsbereitschaft begeistert. Die gemeindliche Vollzugsbedienstete des Ordnungsamtes tauschte ihren Arbeitsplatz mit Tassilo Dütschke, der sonst in der Datenarchivierung der Lausitzer Werkstätten tätig ist. Hochkonzentriert werden dort analoge Dokumente digitalisiert. Bis auf das Rascheln von Papier, sind keine Geräusche zu hören. „Mir darf kein Fehler passieren. Das würde viel Mehrarbeit für die Kollegen bedeuten“, erklärt Silvia Wagner, die sehr freundlich im Team aufgenommen wurde. Vom Aktionstag „Schichtwechsel“ ist die Mitarbeiterin der Stadt Hoyerswerda begeistert und empfiehlt anderen Unternehmen, diese Gelegenheit zu nutzen: „Man hat nichts zu befürchten und kann viel für sich mitnehmen und wichtige Einblicke gewinnen.“
Lust mitzumachen? Dann melden sie sich!
Mehr Infos zum Aktionstag gibt es HIER